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5 Schluß

5.1 Entwicklungschancen

Java wird in absehbarer Zeit weder C/C++ noch Pascal/Delphi ablösen können. Auf eine brauchbare Office-Suite, die komplett in Java geschrieben ist (von Lotus angekündigt), wird sicher noch länger gewartet werden müssen. Die Firma Star*Division aus Hamburg hat inzwischen ihr Star-Office zumindest Clientseitig in Java programmiert, der Kernel auf dem Server ist aber noch vollständig in C/C++ implementiert. Wie erstaunlich diese Leistung ist, zeigt sich erst bei weiterer Betrachtung - das Clientseitige Java-Applett ist kleiner als 100kb und das Kernel kann (zumindest theoretisch) beliebig viele Benutzer verwalten. Die Vorstellungen der Java-Entwickler konnten also erstmals in diesem Programm vollständig verwirklicht werden. Es ist zugleich der Beweis für die Überlegenheit Javas gegenüber C/C++ in Netzwerken! Allseits beliebte 3D-Spiele jedoch werden als Java-Applikation den Geschwindigkeitstest kaum bestehen. James Gosling (der Chefentwickler der Sprache) meint, daß `Java zugleich über-, als auch unterschätzt wird`. Unterschätzt, weil Java viel mehr ist als ein Web-Tool; überschätzt, weil Java noch nicht die Reife eines C++ hat. Das Interessante dabei ist, daß noch nie mit solchem Hochdruck an einer Sprache entwickelt wurde, das Investitionsvolumen ist gewaltig. Im November 1996 wurde von IBM, Oracle, Netscape und natürlich SUN ein Risikofond gegründet, der der Verbreitung von Java dienen soll. Es wurden 100.000.000 Dollar für Firmen zur Verfügung gestellt, welche Java unterstützen. Auf praktisch jeder Universität (mit einem entspr. Institut) werden Vorlesungen zu Java gehalten. Apple, Hewlett-Packard, Hitachi, IBM, Microsoft, Novell, Silicon Graphics, SUN wollen Java in ihre Betriebssysteme integrieren, was vielen schon in den jeweils aktuellen Versionen gelungen ist. Microsoft hat erst kürzlich angekündigt: `Windows würde DIE Java-Plattform werden`, aber in dem erst vor wenigen Monaten veröffentlichten WindowsNT V4.0 war davon praktisch nichts zu bemerken. Auch die ActiveX-Offensive des Software-Primus Microsoft im Sommer/Herbst ´96 hat daran wenig geändert. Sicherheitsaspekte wurden bei ActiveX praktisch ganz außer acht gelassen und tatsächlich sind im Internet ActiveX-Komponenten verfügbar, welche nach belieben Plattenzugriffe vornehmen können und das auch tun! Wären solche Manipulationen mit dem Äquivalent Java-Beans möglich, gäbe es sicherlich auch schon eine entsprechende Seite, abgesehen davon, das SUN sofort den Fehler behoben hätte (wie auch bei dem JDK). Gleichzeitig mit der Java-Beans Spezifikation wurde im übrigen eine CORBA-Lösung von SUN präsentiert (`SUN-Joe`). Im Rahmen dieses Seminars dürfte dieser Begriff des öfteren Fallen, weshalb hier eine weitere Erläuterung nicht angebracht, ist und den Rahmen sprengen würde.

Wie die Java-Entwicklung jetzt letzenendes weitergeht ist nur schwer abzuschätzen. Erstes Ziel ist wohl das Verfügbarmachen einer ausgereiften Komponententechnologie/Klassenbibliothek. Es ist fraglich ob die diversen Firmen lange genug durchhalten diesen steinigen Weg zu gehen, es gilt 25 Jahre Erfahrung mit C/C++ aufzuholen, wobei man jetzt natürlich auf Erfahrungen eben mit C/C++ zurückgreifen kann.

Das Java nicht nur ein gewaltiges Werbespektakel ist, hat sich wohl schon gezeigt, es steckt bereits zuviel Geld in der Entwicklung (Stichwort NetComputer, Java-Prozessoren, IBM-Tazza usw.). Ebenso ist unwahrscheinlich, das noch eine andere Objekt-Technologie, ähnlich wie Java den Markt genauso überschwemmt. Es gibt zwar vergleichbare Produkte, z. B. von der AT&T-Tochterfirma Lucent Technologies mit Namen Inferno, doch das letzte Jahr hat Java einen Vorsprung verschafft, der keine Firma dazu bringen dürfte, auch noch eine zweite fast identische Technologie voranzubringen?!

Um es deutlich zu machen: Java bietet eigentlich keine wirklich revolutionären Neuerungen. Angefangen bei der Garbage-Collection (erstmalig in LISP genutzt, ca. 1960) bis zur Syntaxähnlichkeit (C/C++ - 1970) ist alles aus anderen Technologien überführt worden. Plattformunabhängigkeit ist keine Technologie sondern ein Problem, welches spätestens seit dem Bau des `zweiten Computers` definiert ist. Die Plattformunabhängigkeit dürfte der Hauptgrund für die Popularität Javas in Entwicklerkreisen sein. Die Logik ist einfach - warum sonst sollte man schon jetzt Java einsetzen? Doch nur um einen Entwicklungsvorsprung zu erreichen - denn wenn irgendwann die Plattformunabhängig vollständig realisiert ist, wird der Markt gewaltig kleiner. Wenn keine Plattformunabhängigkeit gefordert ist, warum umsteigen? Es gibt für jedes System professionelle Entwicklungsumgebungen, die Java noch um Jahre voraus sind.

Wie in Kapitel1 erwähnt, wird Java, nach den Vorstellungen der Entwickler, das Network-Computing völlig revolutionieren. Diese Entwicklung steckt noch in einem sehr frühen Stadium und eine Abschätzung muß jeder Entwickler/jede Firma selbst vornehmen. SUN arbeitet ja erst noch an den Spezifikationen und SUN definiert die Sprache, niemand sonst. Da diese Arbeit bis jetzt hervorragend erledigt wurde, weniger durch vollmundige Ankündigungen als mit handfesten Veröffentlichungen, besteht kein Grund zur Klage. Java bietet in jedem Fall die Möglichkeiten die Netz-Revolution zu schaffen. Die Sprache ist ein Kompromiß aus allem `guten`, was die Informatik hervorgebracht hat, oder zumindest ein sehr sehr guter Ansatz in diese Richtung. Ob sie mit diesen Vorraussetzungen auch tatsächlich `zur Krone der Informatik` wird, muß sich zeigen.



5.2 Support

5.2.1 Literatur

Literaturverweise:

[1] James Gosling/Henry McGilton: The Java Language Environment - A White Paper; SUN Microsystems 1995 (zur Textstelle) [2] David Flanagan (dt. von Konstantin Agouros): Java in a Nutshell (deutsche Ausgabe); 1. Auflage im O`Reilly-Verlag 1996; ISBN: 3-930673-460 (zur Textstelle) [3] wie [2] (zur Textstelle) [4] Svend Back: Esperanto für Computer; In: Software-Entwicklung - AWi-Verlag Grasbrunn, 6/96, S. 20 (zur Textstelle) [5] Reinald Menge: Eine Reise nach Java; In: Software-Entwicklung - AWi-Verlag Grasbrunn, 11/96, S. 61 (zur Textstelle)

Bücher:

- Objektorientierte Software-Entwicklung von Heike Jansen und Manfred Bundschuh im Oldenbourg-Verlag; ISBN: 3-486-22646-0, - Java in a Nutshell (Deutsche Ausgabe) von David Flanagan (Konstantin Agouros) im O`Reilly-Verlag; ISBN: 3-930673-46-0, - Java - Das Computer Taschenbuch von Kai Baufeldt und Rolf Mäuers im Data Becker-Verlag; ISBN: 3-8158-1533-3, - Die Java-Fibel von Ralf Kühnel bei Addison-Wesley; ISBN: 3-8273-1024-5, - Java - Die Programmiersprache (Deutsche Ausgabe) von Ken Arnold und James Gosling bei Addison Wesley; ISBN: 3-8273-1034-2.

Zeitschriften/WWW-Veröffentlichungen:

- Software-Entwicklung, - PC-Professional, - Java-Spektrum, - SUN The Java Tutorial, - SUN The Java Language Environment - A White Paper, - SUN JavaBeans - V1.0 API Specification.


5.2.2 WWW-Ressourcen

Die Liste bestand aus fast 100 Links zu den Themen Java-Entwicklung, Anwendungen, Entwicklungswerkzeuge, Java-Fehler, Intranet, Client/Server, JDBC, etc. und wurde inzwischen komplett aus dem Seminar entfernt. Die diversen Seiten/Adressen unterliegen nach wie vor ständigen Änderungen und ein dauerndes Updaten ist praktisch nicht mehr zumutbar ohne einen neuen Berufszweig zu erschließen. Die Originalliste kann dennoch eingesehen werden.


5.2.3 Sonstiges

Autorenkontakt:
Carsten Bank
Postfach 1203
56246 Herschbach
0271/780 386
E-Mail: bank@studm.hrz.uni-siegen.de
ICQ: 1018462

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